Die alten Meister von Hiva Oa

Auf den Spuren von Paul Gauguin und Jacques Brel
Auf Hiva Oa legten wir an zwei Tagen drei Mal an. Und alle Landausflüge waren fabelhaft und völlig unterschiedlich. Es ging um alte Kultur, neuere Kultur, von Fernweh geplagte Aussteiger und immer gab's Natur pur - so viele bunte und exotische Pflanzen.
 
Ach ja, und die Nonos... Bernard, unser Reiseführer, erwähnte sie fast in jedem Tagesprogramm: "Spaziergang im Dorf (Stechmücken)", stand da zum Beispiel. Als wären die Mistviecher eine besondere Attraktion...
 
Bei unserem ersten Stopp auf Hiva Oa - in Atuona - wandelten wir auf den Spuren zweier alter Meister: des französischen Malers Paul Gauguin und des belgischen Chansonniers Jacques Brel.
 
Beide hatten auf Hiva Oa gelebt - und ich habe viel über die beiden gelernt. Gauguin mag ein toller Maler gewesen sein, aber er war ein Wüstling und Lüstling, den die Einheimischen verachteten. Brel war ein guter Mensch, beliebt und geliebt.
 
Der Besuch begann auf dem Friedhof, denn dort sind beide - nicht weit voneinander entfernt - begraben.
 
Von dort hat man auch die großartigste Aussicht über die Bucht, den Ort Atuona und auf die Berge. Im Ort selbst findet man ein Gauguin-Museum, eine Brel-Gedenkstätte (und ich habe auch sein Haus gefunden) und Internet-Verbindung auf dem Postamt. Und einen Supermarkt mit polynesischen Fahnen und einen Fußballplatz mit Meerblick.
 

Der geliebte und der verachtete Künstler
 
Jacques Brel lebte von 1975 bis 1978 auf Hiva Oa. Er zog hierher, weil er die Einsamkeit suchte und während einer vorangegangenen Südsee-Reise auf einem Segelboot hier niemand erkannt hatte. Er war der gute Mensch von Atuona, half den Einheimischen, indem er sie zu Arztbesuchen nach Tahiti flog, die Post nach Ua Pou brachte und Erledigungen für die Leute machte.
 
Nach dem Friedhof-Besuch marschierten wir die kurvige Straße hinunter ins Dorf und besuchten das Gauguin-Zentrum. Die meisten Bilder hatten wir schon im Gauguin-Museum auf Tahiti gesehen. Die Bilder sind nämlich Kopien, keine Originale. Manchen Leuten gefiel das Museum, anderen nicht. 
 
Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich dramatisch: Gauguin hatte Syphilis, Herzanfälle, Depressionen. Zwischendurch war er so arm, dass er mit dem Malen aufhören und eine Stelle als Zeichner auf dem Bauamt in Papeete annehmen musste. 
 
Ganz anders sind die Gefühle der Menschen gegenüber Jacques Brel, weil er - trotz seiner Schwermut, die sich in vielen Liedern widerspiegelt - solch ein guter Mensch war.
 
Kimi alias Sherlock Holmes...
Am Museum hatte ich gefragt, wo Jacques Brel gewohnt hatte, und eine nette Frau hatte es mir erzählt. Ich marschierte bergauf.
 
Was soll ich sagen...
 
Aber danach hatte ich wieder alles unter Kontrolle - und einen relativ sicheren Sitz, wie diese Fotos beweisen.
 
Das sind keine Christbaumkugeln, sondern die Früchte eines Baobabs. Man kann sie nicht essen, aber sie sehen spektakulär aus.
 
Zwischen all diesen Wanderungen, Studien und Museumsbesuchen musste ich mich zwischendurch natürlich stärken.
 
Der belgische Sänger und Schauspieler, der seine Liebe zu den Marquesas in dem Chanson "Aux Marquises" verewigte, starb 1978 im Alter von 49 Jahren an Lungenkrebs. Zur Behandlung musste er nach Frankreich zurück, aber nach seinem Tod wurde seine Leiche nach Hiva Oa überführt. Auf der Plakette auf seinem Grabstein ist seine Lebensgefährtin Maddly Bamy neben ihm zu sehen.
 
Ich schaute mir seine Bilder an. Über die dunklen Seiten seines Lebens war nirgendwo etwas zu lesen - vermutlich, weil die Tatsache, dass Gauguin hier lebte, Touristen nach Hiva Oa bringt. Gauguin war 1891 nach Tahiti gezogen und lebte dort bald mit einem dreizehnjährigen Mädchen zusammen.
 
1901 zog Gauguin nach Atuona. Wieder war eine Vierzehnjährige Geliebte und Modell, brachte ein Kind von ihm zur Welt. Er stritt sich mit der katholischen Kirche und der Obrigkeit, wurde zu einer Haft- und Geldstrafe verurteilt. Bevor es zu weiteren Auseinandersetzungen kam, starb er.
 
Mittelpunkt der "Espace Jacques Brel" - nur einen Steinwurf vom Gauguin-Zentrum entfernt - ist die Twin Bonanza namens "Jojo", mit der er zwischen den Inseln hin und her flog.
 
... auf Geheimmission...
Jacques Brel wohnte zur Miete in diesem Haus am Rande einer scharfen Kurve zwischen dem Friedhof und dem Ortszentrum.
 
Eine Brotfrucht lenkte mich ab...
 
Ich schaute mir in Atuona auch noch andere Pflanzen und Früchte an: oben eine Helikonie und unten eine Pampelmuse (pomelo).
 
Keine Ahnung, wie diese Blüte mit ihren grünen Früchten heißt. Aber ich finde, sie sieht interessant aus - und ich wollte hier keine Lücke auf der Website haben...
 
Im Restaurant Hoa-Nui gab's wieder einmal Leckereien vom Büffet. Wie zu sehen, gab's Reis und Pommes zu den Marquesas-Spezialitäten.
 
 
An Paul Gauguin scheiden sich die Geister. Das lag daran, dass er blutjunge Mädchen verführte und die Männer von Hiva Oa zu Saufgelagen in sein "Freudenhaus" einlud. Deshalb wurde er nach seinem Tod 1903, nicht einmal 55 Jahre alt, in einem ganz lausiges Grab verscharrt. Erst viele Jahre später richteten wohltätige Organisationen sein Grab und setzten einen Grabstein.  
 
Zwei Jahre später war Gauguin krank und pleite und kehrte - auf Staatskosten! - nach Frankreich zurück. Dort nahm ihn seine - wieder eine andere - Geliebte aus, so dass er bald wieder pleite war. So reiste er 1895 wieder nach Tahiti, wo er gleich wieder ein junges Mädchen bei sich aufnahm, das er zwei Mal schwängerte.
 
Dieses Haus aus Pandanusblättern ist die "Maison du Jouir", Gauguins "Haus der Freude". Darin feierte er seine berüchtigten Sauforgien. Er nahm auch Drogen, seine Schmerzen bekämpfte er mit Morphium. Es heißt, Gauguin war mit allen Mädchen im Bett, die er malte.
 
Das Flugzeug trägt den Spitznamen von Brels verstorbenem Freund Georges Pasquier. Nach Brels Tod wurde es mehrmals verkauft, 2003 restauriert (belgische Farben) und nach Atuona transportiert. 
 
... im Brotfruchtbaum
Die Leute wollen nicht, dass es zur Touristenattraktion wird. Also ging ich unauffällig auf meinen Beobachtungsposten.
 
... und ich purzelte in den Dreck!
 
Diese knallig bunten Früchte sind von einem Pandanus-Baum gefallen. Wir nennen ihn auch "Ananasbaum".
 
Wenn ich "wir" sage, meine ich, dass wir solche Bäume auch in Neuseeland haben. Bloß sind die Früchte nicht so bunt. Sie wachsen sogar in Schneeregionen.
 
So eine Fahne braucht man natürlich, um die Fußball-Nationalmannschaft Französisch Polynesiens anzufeuern.
 
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